Foto: © TheSoundlabs

Marshall bleibt seiner Linie treu: Mit Charakter, zeitlosem Design und hoher Qualität liefert die Marke einen Bluetooth-Lautsprecher, der zu Hause ebenso gut funktioniert wie unterwegs.
Foto: © TheSoundlabs
Marshall weiß ganz genau, welche Saiten die Marke anschlagen muss – sowohl um bestehende Fans für neue Produkte zu begeistern als auch um neue Käufer anzusprechen. Mit dem retroinspirierten Look bekommt man optisch einen Marshall-Verstärker im Miniaturformat und damit ein zeitloses Design. Ich persönlich habe bislang keinen Platz gefunden, an dem der Lautsprecher deplatziert wirkt. Er scheint sich überall einzufügen.
Für mich war der Kilburn III deshalb Liebe auf den ersten Blick. Für die meisten Käufer stehen allerdings andere Punkte weiter oben auf der Prioritätenliste: Klangqualität, Funktionen und Akkulaufzeit. In diesem Test gehe ich deshalb möglichst umfassend darauf ein, für welche Nutzer dieser elegante Lautsprecher besonders gut geeignet ist.
Zum Zeitpunkt unseres Tests kostet der Marshall Kilburn III bei Amazon.de 280 Euro. Das sind ungefähr 80 Euro weniger als zum Marktstart Ende Mai 2025.
Einer der Bluetooth-Lautsprecher, die leistungsmäßig am ehesten vergleichbar sind, ist der JBL Xtreme 4. Preislich liegt er zum Zeitpunkt unseres Tests einige Dutzend Euro unter dem Kilburn III.
Erwähnenswert ist allerdings, dass JBL mit seinem Design normalerweise eine andere Zielgruppe anspricht. Die Lautsprecher sind stärker auf robusten Outdoor-Einsatz ausgelegt. Auch der Kilburn III hält bis zu einem gewissen Grad einiges aus, wurde aber vor allem dafür entwickelt, neben guter Leistung auch als attraktiver Teil der Einrichtung zu funktionieren. In diesem Punkt hat Marshall gegenüber JBL klar die Nase vorn.
Video: © TheSoundlabs
Marshall spielt optisch tatsächlich ein wenig in einer eigenen Liga. Stil und Zeitlosigkeit bekommt man hier, ohne dass der Preis völlig aus dem Rahmen fällt. Nur wenige Hersteller können in dieser Hinsicht wirklich mithalten. Es gibt beispielsweise Audio Pro aus Schweden, die durchaus preiswerte Bluetooth-Lautsprecher bauen, aus meiner Sicht beim Design aber nicht ganz an Marshall herankommen. Sonos kann gestalterisch problemlos mithalten, liegt preislich jedoch meist oberhalb von Marshall.
Der Kilburn III misst 26 × 15 × 15,5 cm. Damit lässt er sich während der Nutzung an den meisten Orten problemlos aufstellen. Für den Transport ist er kompakt genug, um ihn gut mitzunehmen, auch wenn der Tragegriff praktisch ist, weil der Lautsprecher nicht in jede Tasche passt. Bei der Aufbewahrung verdient er ohnehin fast einen festen Platz – nicht zuletzt, weil er attraktiv genug ist, um sichtbar im Raum zu stehen. Das Gewicht beträgt 2,8 kg.
Die IP-Zertifizierung liegt bei IP54. Das bedeutet, dass der Lautsprecher vollständig staubdicht ist und Strahlwasser aus allen Richtungen aushält. In der Praxis bedeutet das, dass er Regen jeder Art standhalten sollte. Beachten sollte man allerdings, dass Regler, Tasten und LED-Anzeigen in einer Vertiefung auf der Oberseite sitzen. Dort kann sich selbst bei kleineren Mengen Wasser sammeln. Genau das würde ich möglichst vermeiden.
Beim Design dominiert die klassische Lederoptik, die einen großen Teil des Gehäuses bedeckt. Auf der Vorderseite sitzt der ebenso typische Metallgrill mit Marshall-Logo.
Auf der Oberseite befinden sich sämtliche Bedienelemente in derselben goldähnlichen Farbe wie das Marshall-Logo. Lautstärke-, Bass- und Höhenregler besitzen gummierte, geriffelte Seiten und verchromte Metallkappen. Der Ein/Aus-Schalter besteht aus Metall, während das Wiedergabe/Pause-Element aus Kunststoff gefertigt ist. Sämtliche Tasten und Regler wirken solide. Dass hier nach längerer Nutzung etwas schnell kaputtgeht, halte ich für ausgesprochen unwahrscheinlich.
Auch auf der Rückseite sitzt ein Lautsprechergitter, das den stereofonischen Klang unterstützt. Dort befinden sich außerdem Bassreflexöffnung, 3,5-mm-AUX-Eingang und USB-C-Anschluss. Über USB-C können auch andere Geräte wie beispielsweise ein Smartphone geladen werden.
Der Akku des Kilburn III ist austauschbar und sitzt an der Unterseite. Nach dem Entfernen von sechs Kreuzschlitzschrauben lässt er sich erreichen und über einen Steckverbinder unkompliziert austauschen.
Zum Schluss gibt es einen praktischen Tragegriff in Lederoptik mit roter Velours-Unterseite. An beiden Enden sitzen Metallschnallen. Der Griff ist nicht für die regelmäßige Demontage gedacht, lässt sich bei Bedarf aber durch das Entfernen der beiden Kreuzschlitzschrauben abnehmen.
Bei Optik und Design ist es schwierig, ernsthafte Schwächen am Marshall Kilburn III zu finden. Zu Hause füllt er im Alltag problemlos eine ganze Etage mit Klang und sieht dabei hervorragend aus. Gleichzeitig eignet er sich gut für Strand oder Picknick. Nur für besonders raue Abenteuer würde ich eher zu einem Lautsprecher greifen, der konsequenter auf diesen Einsatzzweck ausgelegt ist.
Foto: © TheSoundlabs
Der Kilburn III ist kein auffälliger Lautsprecher mit Discobeleuchtung und anderen Effekten. Bei einer Designikone wie Marshall finde ich es passend, dass die Marke darauf verzichtet. Stattdessen stehen dezente und funktionale Einstellmöglichkeiten im Vordergrund. Die meisten tiefergehenden Optionen befinden sich in der Marshall-App, während die im Alltag wichtigsten Funktionen direkt auf der Oberseite erreichbar sind.
Beginnen wir mit den Bedienelementen: Der Regler für die Wiedergabe ist multifunktional. Ein Druck steuert Wiedergabe/Pause, nach links kippen springt zurück und nach rechts kippen weiter. Das funktioniert angenehm und im Test vollkommen zuverlässig. Daneben sitzen eine Bluetooth-Pairing-Taste und Marshalls frei belegbare „M-Taste“, deren Funktion in der Marshall-App eingestellt wird. In der Mitte befinden sich drei Regler für Lautstärke, Bass und Höhen. Die Lautstärke lässt sich in 32 Stufen einstellen, Bass und Höhen jeweils in zehn Stufen. Neben dem Ein/Aus-Schalter – einem federbelasteten Kippschalter – sitzt eine Akkuanzeige mit zehn Stufen.
Hier merkt man, dass Marshall ein großer Hersteller mit einem Team ist, das auch auf Details achtet. Die App ist ansprechend, durchdacht und vollkommen frei von Bugs. Nach dem Download aus dem App Store oder von Google Play lässt sich der Lautsprecher unkompliziert hinzufügen. Ist ein Firmware-Update verfügbar, wird die Installation direkt angeboten.
Die erste Einstellung ist der Equalizer. Zur Auswahl stehen zwei Hauptvarianten: „Marshall“ oder eine eigene Abstimmung. Für die eigene Abstimmung gibt es vier Presets: „Bass Boost“, „Mid Boost“, „Treble Boost“ und „Mid Reduction“. Unter „Custom“ lässt sich zusätzlich ein eigener 5-Band-EQ einstellen.
Als Nächstes folgt „Placement Compensation“. Hier lässt sich angeben, ob der Lautsprecher nahe an einer Kante oder Wand steht. Das beeinflusst den Klang deutlich. Der Bass wird markanter, wenn angegeben wird, dass der Kilburn III an einer Kante steht und gleichzeitig frei von Ecken oder Wänden positioniert ist. Die Funktion ist überraschend effektiv. Im Test war der Unterschied deutlich hörbar, je nachdem ob der Lautsprecher nahe an einer Ecke, frei im Raum oder beispielsweise am Rand eines Tisches stand.
Der Kilburn III unterstützt außerdem Auracast, das in der App als „Broadcast anhören“ bezeichnet wird. Auracast ist eine neuere Bluetooth-Technik, mit der Audio gleichzeitig an mehrere kompatible Geräte übertragen werden kann. Dadurch können neben dem Kilburn III auch weitere Geräte dasselbe Signal empfangen. Die Funktion wird als Beta gekennzeichnet, arbeitete in meinem Test jedoch ohne Probleme.
Die nächste Funktion betrifft die „M-Taste“. Hier lässt sich festlegen, was die Taste auf der Oberseite steuern soll. Zum Zeitpunkt unseres Tests kann sie ausschließlich zwischen den zwei in der App festgelegten EQ-Einstellungen wechseln. Weitere Funktionen könnten künftig hinzukommen, falls Marshall dafür einen Bedarf sieht.
Die Akkupflege lässt sich in drei Stufen aktivieren. In der ersten Stufe wird der Akku nur bis 90 Prozent geladen, weil vollständige Ladezyklen den Akku stärker belasten. In der zweiten Stufe bleibt die Begrenzung auf 90 Prozent bestehen, zusätzlich wird die Ladegeschwindigkeit reduziert, wenn die Umgebungstemperatur nicht optimal ist. Die höchste Stufe verwendet schließlich unabhängig von der Umgebungstemperatur grundsätzlich eine langsamere Ladegeschwindigkeit.
Außerdem bietet die App einen Abschalttimer, der den Lautsprecher nach einer bestimmten Zeit ohne Nutzung ausschaltet. Firmware-Updates lassen sich ebenfalls über die App installieren.
Erwähnenswert ist, dass der Kilburn III kein Mikrofon besitzt. Telefongespräche können deshalb nicht über den Lautsprecher geführt werden.
Foto: © TheSoundlabs
Der Lautsprecher war in den Wochen meines Tests praktisch ständig im Einsatz. Trotz täglicher Nutzung beim Frühstück, Mittag- und Abendessen sowie während der Arbeit am Computer sank der Akkustand nicht unter 50 Prozent. Ohne exakt mitzustoppen würde ich die bisherige Nutzung auf deutlich mehr als 30 Stunden schätzen. Eine Gesamtlaufzeit von über 50 Stunden – also ungefähr das, was Marshall selbst angibt – erscheint deshalb vollkommen realistisch.
Bei einer derart guten Akkulaufzeit können sich die meisten Nutzer problemlos die Akkupflege leisten, bei der der Lautsprecher nur bis 90 Prozent geladen wird.
Im Vergleich mit anderen Bluetooth-Lautsprechern ähnlicher Größe und Leistung ist das ein sehr starker Wert. Der JBL Xtreme 4 kommt beispielsweise auf 24 Stunden und damit auf weniger als die Hälfte.
Insgesamt ist es schwierig, Lautsprecher anderer Hersteller zu finden, die bei der Akkulaufzeit in die Nähe des Kilburn III kommen.
Foto: © TheSoundlabs
Damit kommen wir zum vielleicht interessantesten Teil: dem Klang. Mit insgesamt 50 Watt Leistung – 30 Watt für den 4-Zoll-Tieftöner und jeweils 10 Watt für die beiden 2-Zoll-Treiber für Mitten und Höhen – erreicht der Kilburn III problemlos Lautstärken, die eine komplette Etage eines normal großen Hauses beschallen können. In meinen Messungen erreichte der Schalldruckpegel in einem Meter Entfernung bis zu 95 dB.
Ab ungefähr 80 Prozent der maximalen Lautstärke beginnt hörbare Verzerrung aufzutreten. Darunter klingt der Lautsprecher gut. Wie gut genau, zeigen die folgenden Testtitel.
Mit dem EQ-Preset „Mid Boost“ beginne ich wie gewohnt mit „Chained“ von The xx. Hier muss der Bass kräftig arbeiten – hält man die Hand an die Bassreflexöffnung, ist der Luftstrom deutlich zu spüren. Obwohl „Mid Boost“ den Bass etwas reduziert, drängt er die Mitten stellenweise noch leicht nach hinten, sodass die Stimmen nicht ganz so klar hervortreten, wie ich es mir wünschen würde. Über den Bassregler auf der Oberseite lässt sich das korrigieren. Dann bekommen die Stimmen mehr Raum, allerdings auf Kosten des Tieftons, der sonst schwer, voll und rund klingt. Genau das ist typischer Marshall-Sound und schwer nicht zu mögen. Die Höhen werden sauber wiedergegeben, mit detaillierten Schlägen auf Snare und Becken. Insgesamt klingt „Chained“ hervorragend, auch wenn der Bass für eine vollkommen natürliche Wiedergabe etwas zu viel Raum bekommt.
Als Nächstes folgt „bad guy“ von Billie Eilish. Schon im Original besitzt der Titel einen bleischweren Bass, und der Kilburn III legt noch einmal nach. Als Billies Stimme einsetzt, ertappe ich mich bei einem ziemlich breiten Grinsen. Sie sitzt weit vorn im Mix und wirkt wie ein frischer Gegenpol zum massiven Tiefton. Abgesehen vom extrem kräftigen Bass, der sehr gut, aber nicht natürlich klingt, gibt es hier wenig zu kritisieren. Fingerschnipsen und Becken werden überraschend sauber wiedergegeben. Dass sie sich trotz des schweren Bassfundaments so gut behaupten, spricht dafür, dass Marshall die Dynamik sehr gut abgestimmt hat.
Zum Abschluss folgt „I’m Not The Only One“ von Sam Smith, einer meiner Favoriten für Tests. Der reduzierte Aufbau macht es leicht, einzelne Details herauszuhören. Als Erstes fällt auf, wie überzeugend Sams Stimme klingt. Ihre Verletzlichkeit kommt sehr gut zur Geltung, die Stimme steht weit vorn und erhält den größten Fokus – obwohl der Bass ständig versucht, möglichst viel Raum einzunehmen. Der kräftige Tiefton verleiht der Stimme sogar eine zusätzliche Tiefe, die ich so bei diesem Titel selten gehört habe. Die Drums klingen sauber und besitzen klar definierte Schläge. Die Streicher gehen allerdings teilweise im Bass unter und lassen sich schwerer genießen, wenn alle Elemente um Platz kämpfen. Für einen Lautsprecher, der ganz bewusst auf kräftige, selbstbewusste Basswiedergabe ausgelegt ist, funktioniert „I’m Not The Only One“ dennoch überraschend gut.
Nach mehreren Wochen mit dem Kilburn III kann ich feststellen, dass er die Erwartungen durchschnittlicher Käufer an den Klang eines Bluetooth-Lautsprechers mehr als erfüllt. Die Klangabstimmung ist alles andere als zurückhaltend: Der Bass klingt ausgesprochen gut und nimmt bewusst viel Raum ein. Wer einen möglichst neutralen Lautsprecher sucht, ist hier nicht richtig. Wer dagegen einen unterhaltsamen, kraftvollen Klang mit Charakter möchte, bekommt genau das, wofür Marshall steht.
Foto: © TheSoundlabs
Der Marshall Kilburn III war für mich Liebe auf den ersten Blick – und gewissermaßen auch auf den ersten „Hörblick“. Die elegante Optik und die solide Verarbeitung machen sofort deutlich, dass hier ein großer Hersteller arbeitet, der bei der Qualität keine Abkürzungen nimmt. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen, und der Kilburn III erfüllt sie. Von den Bedienelementen bis zur mobilen App wirkt alles durchdacht und professionell.
Für besonders raue Abenteuer ist der Marshall Kilburn III allerdings nicht die erste Wahl. Dafür gibt es andere Hersteller, die es besser machen, etwa JBL Xtreme 4. Genau das versucht der Kilburn III aber auch gar nicht. Er möchte ein Lautsprecher sein, der im stilvoll eingerichteten Zuhause genauso gut funktioniert wie beim Picknick oder am Strand.
Der Klang überzeugt sowohl drinnen als auch draußen. Der Bass hält sich nicht zurück, klingt dabei aber ausgesprochen gut und besitzt genau die Attitüde, die man von Marshall erwartet.
Ich fordere dich heraus, einen Platz zu Hause zu finden, an dem der Kilburn III nicht gut aussieht. Mir ist es nicht gelungen …
Test veröffentlicht: Mai 2026
Diese Seite wird durch reCAPTCHA geschützt. Es gelten die Datenschutzerklärung und die Nutzungsbedingungen von Google.